Literarisches Schatzgräber-Quartett

Literarisches Schatzgräber-Quartett:  Die griechische Antike in den Werken                  von Dichtern der Vergangenheit: Friedrich Schiller, Albert H. Rausch, Carl Spitteler, Paul Ernst
Gespräch und Lesung

Mit Helga Zepp-LaRouche, Steffen Marciniak, Dr. Martin A. Völker, Ralf Gnosa
Moderation: Dr. Martin A. Völker

In der deutschsprachigen Literatur haben sich bereits seit der Klassik viele Autoren mit der Rezeption der griechischen Antike befasst. Ein großes Echo fand sie auch im 20. Jahrhundert. Am heutigen Abend haben wir vier Autoren in ein Literarisches Quartett eingeladen, die unter den Dichtern der Vergangenheit vier besondere Vorlieben gefunden haben und die einen Bezug zur griechischen Mythologie besitzen. Neben dem berühmten Friedrich Schiller sind dies der Büchnerpreisträger von 1932, Albert H. Rausch (Psd. Henry Benrath), der Nobelpreisträger von 1919, Carl Spitteler und der mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1933 prämierte Paul Ernst. Möge der Abend zu einem Wiederlesen anregen.

Wollte man etwas über Friedrich Schiller (1759-1805) schreiben, so weiß man,wie vergeblich das in zwei Sätzen wäre, es sind viele Bände zu ihm erschienen. Das antike Griechenland findet sich ausführlich im Werk Schillers, ob es Gedichte wie “Die Götter Griechenlands”, “Der Ring des Polykrates” und “Hektors Abschied” sind oder auch Nachdichtungen von Stücken des Euripides. Die Journalistin, Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche stellt den Dichter in seinem Bezug zur Antike vor: „Schiller und die griechische Antike”.

“So wie Schiller gegen die gefährdete und zerstörte Menschheit seiner Zeit das Programm der klassischen Kunst setzte, und dabei am Griechentum anknüpfte, so müssen wir heute am Menschheitsideal der Weimarer Klassik anknüpfen, um mit der Methode Schillers erneut die Ganzheit der Menschennatur entfalten zu können.” (Helga Zepp-LaRouche)

 Albert H. Rausch (1882-1949) begann sein literarisches Werk mit klassisch-schönen Lyrikbänden im Einfluss von Stefan George, aber außerhalb des Georgekreises. Es folgten Novellen und Erzählungen, oft mit homoerotischen Anklängen, wie „Ephebische Trilogie“, „Jonathan“, „Patroklos“, „Märchen unter Palmen“ und „Eros Anadyomenos“. Nach dem Büchnerpreis, 1932, schrieb er unter dem Pseudonym Henry Benrath vor allem Romane, teils mit historischem Hintergrund. Der Autor Steffen Marciniak entdeckte Albert H. Rausch erst mit etwa 30 Jahren und fand in ihm sein „Alter Ego“. Er stellt die Novelle „Patroklos“ vor, eine kraftvolle und zugleich zarte Geschichte um den Liebling des Achilleus, bekannt aus der „Ilias“.

 Im Erstlingswerk von Carl Spitteler (1845-1924), dem zweibändigen Epos „Prometheus und Epimetheus“, modernisierte der Autor den antiken Prometheus-Mythos. Geistige Verwandtschaft besteht  zu Schopenhauer und Nietzsche. Der Autor und Kulturwissenschaftler Dr. Martin A. Völker betrachtet dieses Epos, wie auch das  große Versepos „Olympischer Frühling“ (1900–1905), in dem Spitteler in rund 20.000 Versen Figuren und Handlungsstränge der griechischen Mythologie in seine eigene, moderne Erlebniswelt transportierte. Eingebettet in ein mythologisches Märchen, zeichnete Spitteler ein düsteres Bild vom Universum, das seiner pessimistischen Weltsicht entsprach. Der Erfolg dieses Werks mündete 1919 in der Verleihung des Literaturnobelpreises.

 Paul Ernst (1866-1933) beginnt seinen literarischen Werdegang mit dem Schreiben von Dramen, orientiert sich an der griechischen Tragödie, schreibt: „Demetrios“, „Ariadne auf Naxos“ und „Kassandra“. Später Epen und Prosa. Ralf Gnosa  ist freier Schriftseller und Literaturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt auf Nachlasserschließung, u.a. für das Paul Ernst – Archiv. Er geht im Besonderen auf Paul Ernsts „Erdachte Gespräche“ ein, etwa die zwischen Homer und dem Hirten, Menander und Glykerion, zwischen Kleists Penthesilea und  Sophokles‘ Ödipus oder auch Alexander und Diogenes.